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Triefenstein, 15. Oktober 2009 - Es gibt im Moment kein brisanteres Thema, als die von der Regierung für das nächste Jahr geplante Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom. Die Parteien CDU/CSU und FDP planen die Einspeisevergütung für Solarstrom drastisch zu senken und spielen mit dem Gedanken, die Gesamtleistung mit einer Deckelung zu versehen.

Im Jahr 2009 sind die Preise für Solarstromanlagen prozentual stärker gefallen, als die Erhöhung der Degression gemäß des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) ausfiel. Anlagenbetreiber, die 2009 ihre Dach-Solaranlage ans Netz gebracht haben, profitieren zum Teil von bis zu 10% Rendite jährlich auf das Gesamtkapital. Das ist bei Anlagenpreisen zwischen 3.000 Euro und 3.600 Euro netto pro Kilowatt und bei einer Einspeisevergütung von bis zu 43,01 Cent pro eingespeister Kilowattstunde eine beachtliche Rendite.

Die im Jahr 2009 eingeführte Kürzung des spanischen Einspeisetarifs und die Deckelung der Gesamtleistung durch die spanische Regierung, sorgten für den Zusammenbruch des dortigen Photovoltaik-Marktes. Dieses Szenario würde in Deutschland viele Insolvenzen hervorrufen und tausende Arbeitsplätze kosten.

Weitere Folgen daraus wären, dass deutsche Solarunternehmen ihre Produktion ins Ausland verlegen und deutsche Investoren in andere Länder wie Italien, Frankreich, USA oder der Türkei investieren. Dies wäre nicht nur schadhaft für die deutsche Wirtschaft, sondern würde auch die Vorreiterrolle im Bereich Erneuerbarer Energien, die Deutschland inne hat, zerstören. Ganz zu schweigen von den ausbleibenden Steuereinnahmen durch Solar-Anlagen.

Die Diskussion um die geplante Einschneidung des Einspeisegesetzes ist im Internet, insbesondere in Online-Foren, ein Dauerthema. Bei Anlagenbetreibern herrscht große Verunsicherung und börsennotierte Solarunternehmen leiden unter fallenden Kursen.

Doch um wie viel Prozent dürfte die Einspeisevergütung im nächstem Jahr für Dachanlagen maximal gesenkt werden und was dürfen Solaranlagen im nächsten Jahr kosten, um noch immer eine Gesamtkapitalrendite von bis zu 8% vor Steuern und Finanzierung zu erwirtschaften?

Unter Berücksichtigung folgender Basisdaten wurden die Berechnungen (konservativ) mit einer jeweiligen Senkung von 15%, 20% und 30% durchgeführt.

Basisdaten:

Anlagenleistung: 15 kWp

Spez. Anlagenertrag: 900 kWh/kW

Degradation: 0,2%

Inbetriebnahme: jeweils Mitte des Jahres

Sonstige Berücksichtigungen: Verwaltungskosten, Zählermiete, Versicherung, Wartung, Inflation

Als Basis dient eine im Juni 2009 in Betrieb genommene 15 kWp-Solaranlage bei einer Einspeisevergütung von 43,01 Cent/kWh. Zu einem Bezugspreis von 3.500 Euro/kWp netto, erhält der Anlagenbetreiber eine Gesamtkapitalrendite von 8,1% vor Finanzierung und Steuern.

Würde die Einspeisevergütung im nächsten Jahr um 15% (entspricht: 36,56 Cent/kWh) gesenkt werden, so dürfte die Solaranlage nicht mehr als 2.900 Euro/kWp netto kosten. Die Gesamtkapitalrendite würde dann 8,2% betragen.

Eine Senkung der Einpeisevergütung um 20% (entspricht: 34,41 Cent/kWh) reduziert den Anlagenpreis auf 2.700 Euro/kWp netto und lässt den Anlagenbetreiber eine Gesamtkapitalrendite von 8,2% erwirtschaften.

Eine Senkung um 30% (entspricht: 30,11 Cent/kWh) reduziert den Anlagenpreis auf 2.350 Euro/kWp netto. Die Gesamtkapitalrendite beträgt in diesem Fall 8% vor Steuern und Finanzierung.

Wird für das nächste Jahr von einer Senkung der Einspeisevergütung von 30% ausgegangen, entspräche dies einem Rückgang der Anlagenpreise von bis zu 32% und mehr. Ob diesen drastischen Preisverfall deutsche Solarunternehmen auffangen können, bleibt fraglich. Zumindest leiden die Solarteure darunter, denen für dieselbe Arbeit weniger Marge bleibt.

Eine Senkung der Einspeisevergütung von bis zu 15%, für auf dem Dach montierte Solaranlagen, wäre vertretbar. Im Zuge einer Gesetzesänderung sollte der Bonus für Fassadenanlagen wieder eingeführt werden. Der Netzbetreiber müsste verpflichtet werden, die Mehrkosten zum Anschluss einer Solaranlage mit bis zu 50 kW-Leistung, anstatt der 30 kW-Leistung, zu übernehmen. Des Weiteren sollten die Kosten für eine Netzverträglichkeitsprüfung durch den Netzbetreiber auf maximal 250 Euro begrenzt werden.

Anmerkung: Die Berechnungen wurden mit dem Tool PV-Kalk durchgeführt. Zum Nachvollziehen der Berechnungen können diese kostenfrei unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! angefordert werden.

Quelle: Michael Ziegler, freier Berater

www.photovoltaik-guide.de

Kommentare   

#9 Dr. Fersch 2009-10-26 15:55
Sehr geehrter Herr Michael Ziegler,

lassen Sie mich einen Dank an Sie aussprechen. Ich bedanke mich für die prompte Zusendung der Berechnungen sowie für diesen aufschlussreichen und sehr gut nachvollziehbaren Bericht. Viele aus der Branche nehmen zu diesem heiklen Thema Stellung, doch kaum jemand spricht so deutlich wie Sie in Zahlen. Dieses Memorandum sollte umgehend an unsere zuständigen Politker gesendet werden, sodass sich vielleicht ein paar Augen öffnen.

Weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen...

Dr. E. Fersch
#8 Heribert Kuhn 2009-10-21 13:22
Sehr geehrter Herr Ziegler,

ich danke Ihnen für die Zusendung der Berechnungen, anhand derer es mir möglich war, alles in soweit plausibel nachvollziehen zu können. In der Tat wäre eine Absenkung der Einspeisevergütung um max. 15 Prozent vertretbar. Eine höhere Absenkung wäre der Todesstoß für die deutsche Solarindustrie. Ich hoffe damnach nur, dass am kommenden Wochenende eine positive Nachricht durch die Politiker zu vermelden ist.

Schönen Gruß,
Heribert Kuhn
#7 René 2009-10-18 20:12
Guten Abend

Man sollte wegen eines kleinen Schreibfehlers, nicht gleich Zweifel an der Sachkompetenz äußern. Wir sind alle Menschen. Mir passieren solche Fehler auch ab und zu. Da spricht man von KW anstatt von KWP etc. Ich führe das immer auf die Betriebsblindheit zurück, die damit einhergeht, dass man jeden Tag damit zu tun hat. Komischerweise fällt es sonst niemanden auf, da eh jeder weiß was gemeint ist. Den oben geschilderten Fehler hätte ich auch nicht endeckt. Das liegt eben daran, dass man weiß was gemeint ist. Ansonsten ist der Artikel sehr gut und ich würde mir wünschen, dass die Vergütung nicht mehr als 15% gesenkt wird....

Schönen Abend noch
René
#6 Hans Dietschmann 2009-10-18 15:05
Hallo Herr Ziegler,
es ist schon erstaunlich, dass Ihnen und auch den Kommentatoren der "Klops" bei Ihren Basisdaten nicht aufgefallen ist.
Es muß natürlich beim Anlagenertrag heißen: 900 kWh/kW.
Also schnell korrigieren, bevor Ihre Sachkompetenz angezweifelt wird.
Ansonsten ist der Artikel extrem wichtig und notwendig.

Herzlichen Gruß
Hans Dietschmann

Anmerkung der Redaktion:

Sehr geehrter Herr Dietschmann,

vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Der von Ihnen genannte "Klops" wurde korrigiert. Es handelte sich lediglich um einen Dreher.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Ziegler
#5 Steinauer 2009-10-18 08:16
Schön, dass endlich mal ein Artikel erscheint, in dem auch Zahlen genannt werden. Viele sprechen immer von Senkung der Einspeisevergütung und davon, welche Auswirkungen es hat und das die Solarindustrie das nicht verkraften könne.

Das ist auch richtig. Aber nur mit belegbaren Zahlen lässt es sich auch verdeutlichen, wie sich eine Senkung der Vergütung auf die Rendite und den Anlagenpreis auswirken kann.

Dr. Steinauer / Berlin
#4 Dipl.-Ing. Bernhard Müller 2009-10-17 20:13
Sehr geehrter Herr Ziegler,

vielen Dank für die Übersendung der Berechnungen per Email. Anhand dieser Berechnungen war es mir möglich, Ihre in Ihrem Bericht aufgemachte Rechnung, schlüssig nachzuvollziehen.

Ein solcher Bericht hätte noch vor der Bundestagswahl veröffentlicht werden müssen. Vielleicht hätte sich das ein Politiker zu Herzen genommen.

VIELEN DANK.

Dipl.-Ing. Bernhard Müller
#3 Dr. Martin Engel 2009-10-17 15:47
Toller Artikel. Dem Gesagten kann ich nur beipflichten. Photovoltaik muss erst noch alle Haushalte erreichen. Jetzt die Vergütung drastisch zu kürzen oder gar einzustellen, würde alle bisher gefestigten Bemühungen zu nichte machen.

Dr. Martin Engel
#2 Franky 2009-10-16 10:55
Nachhaltigkeit und Wertschöpfung bekommen für die Solarbranche eine neue Bedeutung:

Die Regierung zerstört Nachhaltig die Solarindustrie...

Die Wertsschöpfung wird an die Energieriesen verschenkt...

2013 steht dann in den Schlagzeilen:
Dr. Angela Merkel wird Aufsichtsratmitglied bei E.ON, RWE, Vattenfall und ENBW.

Die haben doch alle schon ihre Posten sicher. Das könnt ihr mir glauben.

Ich verstehe das ganze nicht. Opel bekommt Milliarden in den Hintern gesetckt, nur weil ein hausgemachtes Problem die Existenz dieses Konzerns zerstört, Schäffler und Co. kommen angeschlichen und profilieren sich als Bitttsteller. Die Solarindustrie bekommt auf den Deckel, weil angeblich der Anteil pro Kilowattstunde Strom bei Erneuerbaren Energien für den Stromkunden zu teuer wird.

Die Erneuerbaren Energien werden uns zukünftig vor zu hohen Stromkosten schützen. Wir alle werden unabhängiger. Wir investieren mit den zusätzlichen Kosten beim Strom in unsere Zukunft und die unserer Kinder.
#1 Kurt 2009-10-15 15:35
Immerhin erwirtschaftet die Solarindustrie in Deutschland Steuerzahlungen, die den Aufwand durch die Foerderung mehr als kompensieren. Aber das interessiert ja keinen. Jede Menge Arbeisplaetze sind in diesem Geschaeftsbereich vorhanden. Interessiert auch keinen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden die chinesischen Hersteller dafuer sorgen, dass die Preise weiter fallen, um den Ausgleich fuer eine Kuerzung der Foerderung herzustellen Darunter wird ganz einfach deutsche Fertigung leiden. Interssiert aber auch niemanden, schon gar nicht unsere neue Regierung, die ja wohl offensichtlich in Teilbereichen mal den Arzt wechseln sollte.

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