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Berlin, 23. Februar 2012, Die aktuell bekannt gegebene Einigung zwischen Bundesumweltverschmutzer Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftszerstörer Rösler (FDP) zur Solarförderung auf der Bundespressekonferenz, gleicht einer Hinrichtung. In erster Linie ging es den beiden anscheinend nicht schnell genug die Solarindustrie zu zerstören, so dass die Einspeisevergütung für Solarstrom schon ab dem 09. März um bis zu 29 Prozent gesenkt wird. Leider ist das noch nicht alles. Monatliche Kürzungen stehen bevor - Mehrarbeit für noch weniger Geld bei den Solarteuren. Auch wird der erzeugte Solarstrom zu 90 bzw. nur noch zu 85 Prozent vergütet. Solaranlagen über 10 MW werden überhaupt nicht mehr vergütet.

Die wesentlichen Änderungen nochmals zusammengefasst:

  • Solaranlagen bis 10 kWp werden auf 19,5 Cent/kWh gekürzt (entspricht einer Absenkung von 20,2 Prozent)
  • Solaranlagen ab 10 bis 1.000 kWp werden auf 16,5 Cent/kWh gekürzt (entspricht einer Absenkung von 24,9 bzw. 29 Prozent)
  • Solaranlagen größer 1.000 kWp werden auf 13,5 Cent/kWh gekürzt (entspricht einer Absenkung von 26,4 Prozent)
  • Solaranlagen über 10.000 kWp werden nicht mehr vergütet
  • Strommenge: Der erzeugte Solarstrom von Kleinanlagen wird nur noch zu 85 Prozent, der von mittleren sowie großen Solaranlagen zu 90 Prozent vergütet.
  • Für das Jahr 2012 und 2013 soll der bisherige Zielkorridor von 2.500 bis 3.500 MW beibehalten werden. Im Anschluss sinkt dieser jährlich um 400 MW und wird von 2017 an 900 bis 1.900 MW betragen.
  • Der Eigenverbrauchs-Bonus fällt weg, dafür kann der überschüssige Strom selbst vermarktet werden (siehe auch Strommenge).
  • Monatliche Kürzung der Einspeisevergütung ab Mai um 0,15 Cent/kWh

Der Koalitionsfrieden wurde hier auf dem Rücken der Solarindustrie ausgetragen. Fraktionsvorsitzender Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen): "Die Bundesregierung opfert die Energiewende dem Koalitionsfrieden."

Kurios, wie Rösler und Röttgen!

Einerseits steht im Ergebnispapier geschrieben, das die Neuregelungen klare Investitionsbedingungen für die Photovoltaik sichern, aber andererseits soll das Bundesumweltministerium ermächtigt werden, im Einvernehmen mit dem Bundeswirtschaftsministerium mit einer Verordnung kurzfristig nachzusteuern - und zwar jederzeit! Das ist keine Planungssicherheit, das ist reine Verarschung. Es kann schon alleine deshalb nicht von Planungssicherheit gesprochen werden, da die neuen Vergütungssätze schon in zwei Wochen gelten sollen und das EEG kurz nach der Novelle erneut novelliert wird. Mit der neuen Verordnungsermächtigung werden im Falle der Über- oder Unterschreitung des Zubaukorridors, Änderungen an der monatlichen Absenkung und an der Höhe der Vergütung ermöglicht.

Entgegenkommen oder fauler Kompromiss der Energieversorger?

Anscheinend sollen die Kosten für die Nachrüstung der Solarstromanlagen bezüglich der 50,2 Hertz-Problematik nicht auf die Anlagenbetreiber umgelegt werden, sondern fallen jeweils zu 50 Prozent dem Energieversorger sowie der EEG-Umlage zur Last. Das war voraussichtlich der Kompromiss, den die Energielobby eingegangen ist. Anders ist dies nicht zu erklären. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Der Eigenverbrauchsbonus wird gestrichen. Dafür können die Solaranlagenbetreiber ihren überschüssig erzeugten Strom direkt vermarkten. Die Frage ist hier nur, wer kauft diesen Strom? Die Energieversorger aller Voraussicht nicht. Der Wegfall des Bonus sollte aber auch eine kleine Chance und Anreiz genug sein, um verstärkt in Speicherlösungen zu investieren. Speichertechnologien bleiben künftig, gemäß dem Ergebnispapier, von der EEG-Umlage vollständig befreit.

Dem atmenden Deckel wird die Luft genommen

Für das Jahr 2012 und 2013 soll der bisherige Zielkorridor von 2.500 bis 3.500 MW beibehalten werden. Im Anschluss sinkt dieser jährlich um 400 MW und wird von 2017 an 900 bis 1.900 MW betragen. Sehr schön: Nachdem das Messer schon im Herz steckt, gibt es nochmal einen Tritt in den Arsch.

Es ist offensichtlich, dass hier eine Zukunftsbranche systematisch zerstört wird. Für jetzt schon finanziell schwer angeschlagene Solarunternehmen wird das zwangsläufig das Ende bedeuten. Welcher Investor möchte jetzt noch in die Solarindustrie investieren.

Ist eine Teilnahme an der diesjährigen Intersolar Europe für Solarunternehmen, die ausschließlich in Deutschland und nicht im Ausland aktiv sind, überhaupt noch sinnvoll? Wer wird sich den in der nächsten Zeit noch für Solarstrom interessieren? Vermutlich wäre alles nur halb so schlimm, hätte die Branche sich mit einem zeiltlichen Vorlauf auf die Änderungen einstellen können.

Offizielle Presseerklärung: BMWi und BMU legen gemeinsame Position zur Photovoltaikvergütung und zur Energieeffizienzrichtlinie vor

Vorangegangener Artikel: Photovoltaik - Neue Vergütungssätze für Strom aus Solaranlagen

Download: Aktuelle Solarstromvergütung ab 09.März 2012

Quelle: photovoltaik-guide.de - Michael Ziegler

Kommentare   

+3 #10 Roland Ringeltaube 2012-02-27 20:45
die herren rösler und röttgen sollen doch klipp und klar sagen, dass ihnen nichts an den "kleinen" pv- anlagen- betreibern liegt. und ebenso viel an den montagebetrieben und ihren beschäftigten. da wird mancher demnächst ganz brutal auf die nase fallen! vielen dank die herrn. ihnen kann ja nichts passieren, ihre rücktritte oder amtsniederlegungen sind ja finanziell bestens abgesichert. geht zum teufel!

gruss rori
+3 #9 Guido Brüggemann 2012-02-27 16:32
Meldet Euch zahlreich!!!

http://www.campact.de/enb/sn3/aktion-02-29

Lg

guido
+4 #8 Guido Brüggemann 2012-02-27 16:29
es ist wirklich zum Kotzen und nicht zu fassen, was diese "Partei des Mittelstands" da verzapft.

Die ersten Kampagnen laufen:

http://www.campact.de/enb/home

Demotermine: Mittwoch, den 29.2.2012, um 9.00 Uhr vor dem Bundeskanzleramt in Berlin statt.
Die Aktion wird federführend von Campact und BUND organisiert.
Mehr Informationen dazu finden Sie im Photovoltaikforum.
http://www.photovoltaikforum.com/aktionen-proteste-f111/-29-02-9-00-berlin-protestaktion-vor-dem-bundeskan-t75362.html

Eine weitere Demo wird momentan am 5.3.2012 um 13 Uhr vom Bundesverband Solarwirtschaft organisiert.
Weitere Infos unter www.solarwirtschaft.de / http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/media/pdf/Erklärung_Demo.pdf

Nur nicht aufgeben!

Lg

Guido
+3 #7 Grizzley 2012-02-25 20:52
Abwrackprämie gab es für die Autoindustrie,
Subventionen gibt es für die Landwirtschaft für die Energiewirtschaft, jetzt kann der kleine Mann oder Frau selbst Strom produzieren und wer macht wieder den meisten Reibach, der Stromkonzern, selbst teuer verkaufen aber ja wenig zahlen müssen. Gute Gedanken hat man nicht an die Entscheider...
+8 #6 Klartext123 2012-02-24 15:17
Es ist wirklich nicht unverständlich, wie die Politik jedwede Planungssicherheit mit Füßen tritt ! Durch diese Aktion werden mal eben 50000 Arbeitsplätze vernichtet. Aber Herr Rösler ist vom anderen Stern-- Verarsche ist sein Thema -- ob FDP Wähler oder den Vorschlag eines Gaucklers

Es ist zum Kotzen
+6 #5 Michael Mohr 2012-02-24 09:28
So eine Verarschung gibt es nicht oft in der Politik. Ich frage mich nur, wer hier die Finger mit im Spiel hatte. Ich werde mich bei der nächsten Wahl revanchieren
+7 #4 andrzej 2012-02-24 05:40
Der 9.März wird zum Trauertag.
+6 #3 gregor becher 2012-02-23 18:14
Es wird alles übers Knie gebrochen nur um
der FDP zu dienen.Wie bei Gauck.Meine anlage sollte am 05.03. montiert werden.Wenn ich gewust hätte das man das Gesetz so schnell durchpeischt hätte ich garnicht geplant mir 10 KW aufs Dach zu bauen. Hoffentlich werden beide Parteien bald abgewählt,dennwas die machen ist Verarschung des Volkes und der Solarindustrie.
+8 #2 ML 2012-02-23 17:17
Die Politiker, die dem Zustimmen, sollten alle ihren Wohnort unmittelbar neben ein Atomkraftwerk bekommen. Hoffentlich sind dann keine dieser Personen gerade dienstlich unterwegs ;)
+18 #1 Ludwig Hofmann 2012-02-23 15:48
Ich könnte vor Wut zerplatzen. Das ist so eine Schweinerei. Die von mir geplante Solaranlage werde ich nun nicht realisieren. Das ist keine Planungssicherheit, das ist von allen etwas machen und das ohne Plan! Röttgen und Rösler, raus aus der Regierung!

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