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Berlin, 22. März 2012, Die Niederspannungsnetze könnten bis zum Jahr 2020 für etwa 1,1 Milliarden Euro für Strom aus Photovoltaikanlagen ausgebaut werden. Die Netze würden dann eine Solarstromleistung von 55 GW (Gigawatt) aufnehmen können. Wird der Solarstrom der in den Mittel- und Hochspannungsnetzen fließt hinzugenommen, so könnte Deutschland 70 GW Solarstrom zur Verfügung stehen. Solarstrom würde so über 12 Prozent des deutschen Strombedarfs decken. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Beratungsunternehmen Ecofys im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V.

Mehrkosten für einen Durchschnittshaushalt 11 Cent monatlich

„Dieser Ausbau ist technisch problemlos in den laufenden Erneuerungsprozess integrierbar“, ist sich Jörg Mayer, Geschäftsführer des Bundesverband Solarwirtschaft e.V., sicher. Da die routinemäßig anfallenden Erneuerungskosten für das Verteilnetz etwa eine Milliarde Euro betragen, beträgt der Ausbaubedarf für Solarstrom nur ein Zehntel. Laut Mayer wären die Kosten daher übersschaubar.

Die Kosten für den weiteren Ausbau fielen nicht mehr ins Gewicht

„Damit wird deutlich, dass es weder auf der Kostenseite, noch technisch nennenswerte Hindernisse gibt, die gegen einen weiteren kraftvollen Ausbau der Photovoltaik sprechen. Wer dies behauptet, bedient ein Vorurteil. Es ist jetzt dringend notwendig, dass sich die Politik ohne Wenn und Aber zu einem kraftvollen Ausbau des Solarstroms bekennt und auf überzogene Einschnitte bei der Solarstrom-Förderung verzichtet,“ so Mayer weiter.

Was für den Netzausbau nötig ist

„Hinter den Kosten stecken damit vor allem Erdarbeiten zur Verlegung neuer Erdkabel und die bedarfsweise Aufstellung moderner Trafo-Stationen“, erklärt Bernhard Hasche von Ecofys. „Da es hier um einen unterirdischen Leitungsbau ähnlich wie im Bereich der Telekommunikation handelt, sind Akzeptanzprobleme von Seiten der Bevölkerung kaum zu erwarten. Die Trassen für den Solarstrom liegen größtenteils schon unter dem Bürgersteig.“

Der Einsatz der regelbaren Ortsnetztrafos hilft, die Gesamtkosten für den Ausbau des Niederspannungsnetzes zu reduzieren. „Das gleiche gilt für den Einsatz sogenannter blindleistungsfähiger Wechselrichter, die dazu beitragen, unerwünschte Spannungsanstiege und Spannungseinbrüche im Netz auszugleichen“, sagt Thomas Stetz, Netzexperte am Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Fraunhofer IWES). Die Forschungseinrichtung hatte im Rahmen einer Vorstudie die technischen Möglichkeiten zur Netzintegration von Photovoltaik untersucht. Blindleistungsfähige Wechselrichter sind seit dem 1. Januar diesen Jahres für jede neue Photovoltaik-Anlage bis auf Kleinstanlagen zwingend vorgeschrieben und nach dem Gutachten von Ecofys in der Lage, den Photovoltaik-bedingten Netzausbau im Niederspannungsnetz um 60 Prozent zu reduzieren.

Was bedeutet das nun konkret für den Verbraucher? Die Netzentgelte würden durch die Niederspannungsnetz-Ausbaukosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bis 2020 um 0,4 Prozent steigen. Damit kämen auf einen durchschnittlichen Haushalt, der im Jahr 3.500 Kilowattstunden Strom verbraucht, umgerechnet Mehrkosten in Höhe von monatlich 11 Cent zu.

„Wir können und müssen die Verteilnetze zu einer Art Einsammelnetz für dezentralen Strom machen, um die Energiewende zu schaffen“, fordert Prof. Dr. Bernd Engel, Netzexperte der TU Braunschweig. „Abgesehen vom Solarstrom speisen auch Biomasse, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Wasserkraft wesentliche Teile ihrer Leistung in die Niederspannungsnetze ein.“

„Wir stellen fest“, bilanziert Jörg Mayer, „dass die Ertüchtigung des Niederspannungsnetzes für die Aufnahme großer Mengen Solarstrom technisch ohne Probleme machbar ist, und zwar zu überschaubaren Kosten.“

Die Netze im Überblick

Da Solarstrom überwiegend dezentral und verbrauchernah erzeugt wird, fließen etwa 80 Prozent der Solarstromleistung in die lokalen Niederspannungsnetze auf Gemeindeebene. Fast alle größeren Solarstromanlagen speisen in das Mittelspannungsnetz ein. Die Niederspannungsnetze bilden zusammen mit den Mittelspannungsnetzen und dem 110-kV-Netz das sogenannte Verteilnetz. Das deutsche Niederspannungsnetz erstreckt sich derzeit auf einer Länge von insgesamt 1,1 Millionen Kilometern.

Um künftig bis zu 55 Gigawatt Solarstromleistung ins Niederspannungsnetz einspeisen zu können, ergibt sich an zwei Stellen Modernisierungsbedarf. Zum einen müssen zusätzliche Niederspannungsnetzleitungen verlegt werden. Sinnvoll wäre zum anderen der teilweise Einsatz neuer, regelbarer Ortsnetztransformatoren, die flexibel auf Stromabnahme und Solarstromangebot reagieren können.

Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft e.V.

Kommentare   

#8 Orakel 2012-03-27 12:33
Hallo AR,
sie sind ganz offensichtlich damit überfordert zu verstehen, das nicht das Netz das Problem sein wird , wenn man PV in die vom BSW oben genannten Größenordnungen ausbauen will, sondern das es für diese Leistung im Sommer über Mittag, wenn PV ihren höchsten Wirkungsgrad erreicht, keine Abnehmer in Deutschland gibt , selbst wenn man alle konventionellen Kraftwerke komplett abschaltet. Beim Ausbautempo der letzten beiden Jahre würde der Punkt , wo PV über Mittag den kompletten deutschen Stromverbrauch abdeckt an Wochenenden in der Hautferienzeit, schon 2015 erreicht werden. Mit ihren sogenannten Antworten hier haben sie kein einziges belastberes Argument vorbebracht zu diesem Problem.
-2 #7 AR 2012-03-26 09:38
Die Stromleitungen sind verstopft, ja aber mit der Energie aus der Braunkohle. Die Kraftwerke vergiften die Umwelt und verursachen die Erderwärmung. Noch mehr Geld für neue Gift-Kraftwerke ist schon längst eingeplant. Das ist als ob wir an dem Ast sägen auf dem wir selber sitzen.
#6 Orakel 2012-03-26 07:21
Hallo AR,
sie haben offensichtlich immer noch nicht verstanden was es heißt eine Lösung für 20 GW überschüssige Leistung im Hochsommer über Mittag zu finden. Es gibt auch vom BSW bisher keinerlei befriedigende Antwort, wie das Speicherproblem für diese Größenordnungen gelöst werden könnte.Die derzeit zur Verfügung stehenden Techniken sind hierfür völlig ungeeignet. Beim Ausbautempo
der letzten beide Jahre würde man schon 2015 den Punkt erreichen wo am Wochenende über Mittag in der Hauptferienzeit der komplette deutsche Stromverbrauch über PV abgedeckt würde. Das Preisargument wird dann eine untergeordnete Rolle spielen , wobei die Einspeisevergütung für kleine Anlagen auch nach der jetzt angekündigten Senkung immer noch mehr als 3 mal so hoch ist, wie für konventionell erzeugten Strom.
-2 #5 AR 2012-03-26 06:50
Hallo Orakel.
Die Preise für Solarenergie sinken und im schlimmsten Fall werden stabil bleiben. Die konventionelle Stromerzeugung dagegen ist heute teuer und wird in der Zukunft noch viel teurer werden. Die Niederspannungsnetz-Ausbaukosten in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bis 2020 erscheinen in dem Kontext sehr niedrig. ( ca. 1.50€ pro Familie im Jahr als Mehrkosten )
Das Geld wird aber erst dann investiert, wenn es die Sicherheit gibt, dass Ausbau des Solarvolumens nicht gedeckelt wird.
Speichermöglichkeiten wird es geben, und bestimmt viel schneller wenn das Geld zu Verfügung steht. Leider werden in Deutschland lieber die Hoteliers entlastet anstatt in die Sichere Zukunft zu investieren. Es mag sein das ich naiv bin aber ich glaube, eine gute Sache zu unterstützen !
#4 Orakel 2012-03-23 13:44
Hallo AR,
so naiv wie sie ,kann man das ungelöste Problem der überschüssigen Stromengen, für die es in Deutschland keine Abnehmer gibt nicht abtun, wenn man Photovoltaik in diese Dimension ausbauen will. Hier für gibt es bisher keinerlei befriedigende Antwort. Und Helmuth Groscurth, Geschäftsführer des Hamburger arrhenius Instituts für Energie- und Klimapolit, ist ganz sicher kein Anhänger der Atomenergie. Wenn es beim derzeitigen Tempo des Ausbaus bleibt ,muss hier spätestens 2015 eine befriedigende Antwort her ,oder es wird zum von Herrn Groscurth befürchteten Anschlussverbot für PV in Deutschland kommen
-1 #3 AR 2012-03-22 18:24
hallo Orakel.

Die Antwort ist:
Klimaanlagen, Warmwasserspeicher, Elektroautos, und vieles mehr.
Im Vergleich zu anderen Technologien ist das umweltfreundlich und stinkt nicht nach verbrannte Kohle. Und vor allem strahlt nicht.
Denken Sie doch mal an unsere Umwelt.

PS: Stromüberschüsse verkaufen.
Das ist immer gut !!!
#2 Orakel 2012-03-22 13:06
Wer soll denn diese 55 GW im Hochsommer über Mittag verbrauchen. Das sind ca. 20 GW mehr als im Hochsommer über Mittag an Wochenenden und 10 GW mehr als an Werktagen verbraucht wird wenn die PV-Anlagen ihren höchsten Wirkungsgrad ereichen. Da nützt es wenig wenn das Netz diese Leistung aufnehmen könnte , wenn geigende Abnehmer und Speicher fehlen. Interessant ist in dem Zusammenhang auch ein Artikel in Photovoltaikmagazin . Helmuth Groscurth, Geschäftsführer des Hamburger arrhenius Instituts für Energie- und Klimapolitik erwartet aus diesem Grund ein Verbot von Photovoltaik-Anlagen in den nächsten Jahren.
#1 AR 2012-03-22 08:52
Super.

Leider verstehen Politiker wie Rössler und Röttgen solche Zahlen nicht. Die blenden den Verbraucher mit Lügen.
Wer kann die beiden noch stoppen ?

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