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Die sinkende Nachfrage stieß die Photovoltaik-Branche in einen harten Verdrängungswettbewerb. Auslöser waren die mehrfachen, meist kurzfristigen und damit schwer kalkulierbaren Absenkungen der EEG-Vergütungssätze durch die Bundesregierung. In der Folge befindet sich der Markt in einer Konsolidierungsphase. Der Boom ist vorbei, das Potenzial des Marktes wird aber nach wie vor hoch eingeschätzt. Mehr denn je liegt es daher nun an den Unternehmen zu beweisen, dass sie damit „bankable“ sind – eine zentrale Bedingung für ein erfolgreiches Geschäft mit der Sonne.

Durch die zahlreichen EEG-Novellen der Bundesregierung in den vergangenen Jahren gerieten Investoren und Projektierer innerhalb der Photovoltaikbranche unter Druck. Ideen wie die Strompreisbremse von Bundesumweltminister Peter Altmaier verstärkten die Unsicherheit am Markt zusätzlich. Somit ist für das Jahr 2013 kaum damit zu rechnen, dass der PV-Zubau-Rekord vom Vorjahr mit 7,6 GW übertroffen wird.

Dennoch, es gibt auch positive Signale: Laut dem Bundesverband der Solarwirtschaft besteht die realistische Möglichkeit, bis zum Jahr 2020 den Anteil des Photovoltaik-Stroms am deutschen Energiemix auf zehn Prozent zu verdoppeln. Ein Grund dafür sind die stetig sinkenden Kosten. Der aktuelle Preis für eine Solarstromanlage bis 100 kWp betrug im August 2013 schlüsselfertig 1.510 Euro netto je kWp. Gleichzeitig treiben die großen Energieversorger ihre Preise für privaten Haushaltsstrom immer weiter nach oben. Die Folge: Solarstrom hat im deutschen Privathaushalt Netzparität erreicht und ist folglich mit Strom aus fossilen Energiequellen wettbewerbsfähig.

Dementsprechend rückt nun der Eigenverbrauch von Solarstrom in den Vordergrund, der durch die aufkommende Speichertechnologie weiter befeuert wird. Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) wurde rund vier Monate nach dem Start des Speicherprogramms der Bundesregierung im Mai 2013 bereits der 1.000. Solarstromspeicher gefördert „Jetzt geht es darum, die Schlagzahl weiter zu erhöhen sowie Technik und Förderung noch bekannter zu machen. Immer mehr Menschen wollen ihren selbst erzeugten Solarstrom auch in den Abend- und Nachtstunden selbst nutzen“, so Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar.

Auch Großanlagen sind nach wie vor gefragt, wie Anja Spannaus, Projektmanagerin beim Beratungshaus recap investors bestätigt: „Als Berater von institutionellen Investoren wissen wir, dass diese an gewisse Renditeerwartungen gebunden sind – und die haben sich über die Zeit nicht geändert. Momentan lassen sich auf dem Markt durchaus noch passende Projekte finden, die diesen Anforderungen entsprechen. Ob das auch nach den anstehenden Kürzungsrunden der Fall ist, wird sich zeigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass einerseits ein erfolgreicher Handel von Solarparks auf dem Zweitmarkt einsetzt, andererseits bestehen schon bei vielen Projektierern Pläne, sich von den Vergütungssätzen des EEGs frei zu machen, um neue Stromvermarktungsstrategien umzusetzen.“

Investoren formulieren klare Ansprüche

Somit stehen die Chancen gut, dass die Branche trotz der Kürzungen in der Lage ist, aus eigener Kraft zu wachsen. Doch auch die Investoren haben in den letzten Jahren dazugelernt und ihre Finanzierungskriterien beachtlich verschärft. Dabei reichen den Geldgebern positive Ertragsprognosen eines PV-Kraftwerks nicht mehr aus. Für sie steht die „Bankability“ oder Bankenfinanzierbarkeit von Projekten als Entscheidungsgrundlage für die Kreditvergabe im Vordergrund. Dazu überprüfen Banken die Wirtschaftlichkeit und den Cash Flow bei gegebener Eigenkapitalquote. Anhand von Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden die Erträge und Kosten analysiert – insbesondere die diskontierten Beschaffungs- und Installationskosten sowie die laufenden Betriebskosten werden genau unter die Lupe genommen. Diese setzen sich aus Verwaltungsaufwand und Betriebsführung genauso wie aus Kapitalkosten, Zinsen und Tilgung zusammen.

Bankability ist folglich ein Gradmesser für die Attraktivität, Finanzierbarkeit, Preisstellung und Zukunftserwartung an Photovoltaik-Projekte, der Projektierer und Komponentenhersteller gleichermaßen betrifft. Der Begriff steht eng mit den Anforderungen des Qualitätsmanagements in Verbindung und gilt als Differenzierungskriterium, das von allen betroffenen Parteien – speziell auf Herstellerseite – aktiv zu managen ist. „Solaranlagen verfügen mit mehr als 25 Jahren über eine sehr lange Laufzeit. Deswegen sind die Qualität der genutzten Komponenten sowie die nachhaltige Bonität der Hersteller entscheidende Faktoren bei der Projektbewertung“, erklärt Carsten Schmitz, Filialleiter der GLS Bank-Niederlassung in München. „Eine Zertifizierung bei Banken ist für Hersteller keine Selbstverständlichkeit und die Anforderungen nehmen im Rahmen der aktuellen Marktkonsolidierung eher weiter zu.“

Markteintritt schwierig, aber machbar

Das gilt insbesondere für Unternehmen, die neu in den hiesigen und europäischen Markt eintreten wollen, wie das Beispiel des internationalen Modulhersteller Talesun Solar zeigt. Das Unternehmen wurde 2010 von der chinesischen Zhongli SCI-Tech Group mit einer Anfangsinvestition von 850 Millionen US-Dollar gegründet. Seine vollautomatische Fertigungslinie besteht aus Komponenten meist deutscher Hersteller wie Centrotherm, Rena und Gebrüder Schmid und ist damit eine der modernsten Photovoltaik-Produktionsstätten Asiens. Innerhalb von zwei Jahren gelang es Talesun, sich für sämtliche ISO-Standards zu qualifizieren. Das Unternehmen ist der erste chinesische Solarmodulhersteller, der das VDE-Konformitätszeichen für Sicherheit und Qualität trägt. Das Zertifikat prämiert insbesondere die hohe Zuverlässigkeit, optimierte Funktionssicherheit und geringe Degradation der Module sowie das kontinuierliche Monitoring bei der Fertigung. Auch der TÜV Rheinland überprüfte Talesuns gesamte Modulreihe mittels Korrosionstests für Salznebel und Ammoniak. Diese Zertifikate und Standards sind eine der entscheidenden Grundlagen für eine positive Bewertung durch die projektfinanzierende Bank.

Talesuns hoher Automatisierungsgrad, das langjährige Fachwissen des Talesun-Managements, die regelmäßigen Fabrik-Audits und Modulzertifizierungen durch mehrere renommierte Institute sowie die 25jährige lineare Leistungsgarantie wirken sich positiv auf die Bankability des Unternehmens aus. Zu diesem Schluss kam auch die Allianz Climate Solutions (ACS), das Kompetenzzentrum der Allianz Gruppe rund um den Klimaschutz mit Fokus auf Erneuerbare Energien. Im Rahmen von umfangreichen jährlich stattfindenden Sichtungen evaluiert ACS die Produktionsanlagen und die technische Dokumentation der Fertigungsstätte in Changshu sowie eine deutsche Referenzanlage. „Unsere Kunden, deren Investoren und wir selbst können sicher sein, dass wir auf Grund der Prüfungen durch unabhängige Institute unsere Produkte nicht kostspielig und zeitaufwändig zurückrufen müssen“, erklärt Arthur Chien, Vice President und Geschäftsführer der Talesun Solar Germany GmbH. „Unsere Aktivitäten helfen dabei, die Finanzierung von Projekten nicht nur auf der Ertragsseite, sondern auch im Prüfprozess der Banken zu unterstützen."

Höhere Wirkungsgrade, höhere Bankability

Effizienzsteigerung und Solidität ist auch vom deutschen Photovoltaikmarkt gefordert, wenn er in Zukunft als weltweiter Leitmarkt bestehen soll. Um die Kürzungen des EEGs (Erneuerbare-Energien-Gesetz) aufzufangen, müssen künftig unter anderem die Gestehungskosten weiter sinken und Innovationen vorangetrieben werden. Neben der Kostenminimierung sind Investitionen in Forschung und Entwicklung unerlässlich, denn die PV-Technik bietet noch Spielraum für weitere Optimierungen – oder sogar bisher noch nicht absehbare Technologierevolutionen. Dabei schlagen sich steigende Wirkungsgrade direkt auf die Rentabilität nieder. Genauso werden auch die Anforderungen an die Bonität eines Herstellers wachsen, um den langfristigen Ersatz von fehlerhaften Produkten sicherzustellen. Für die Projekt-Bankability und die Photovoltaik-Branche wäre dies langfristig von Vorteil.

Autor: Stephan L. Wild / NetPress GmbH & Co. KG

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