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München, 23. Mai 2012, Die deutsche Photovoltaikindustrie durchläuft einen dramatischen Konsolidierungsprozess. 2017 werden nur noch 86 der heute 232 führenden Unternehmen im Markt aktiv sein, das entspricht einem Rückgang von 63 Prozent. Der Markt ist mit Überkapazitäten von 45 Prozent in 2011 mehr als gesättigt.

Deutsche Photovoltaikhersteller verlieren zunehmend an Boden, zumal vor allem asiatische Wettbewerber weiter in den Markt drängen. Der anhaltende Systempreisverfall - 10 Prozent allein in 2011 - ist von vielen Unternehmen nicht zu kompensieren. Er führte über die Branche hinweg zu einem Rückgang der Bruttomargen um 11 Prozentpunkte und des Gewinns sogar um 13 Prozentpunkte, jeweils mit steigender Tendenz. Wer überleben möchte, muss jetzt handeln und sein Geschäftsfeld entsprechend seiner Position in der Photovoltaik-Wertschöpfungskette neu definieren. Hierzu stehen der den Marktteilnehmern acht Handlungsfelder zur Verfügung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse von goetzpartners.

„Die deutschen Photovoltaik-Unternehmen verlieren im internationalen Wettbewerb zunehmend an Boden und müssen diesem Trend gegensteuern“, stellt Sebastian Olbert, Partner bei goetzpartners und Autor der Studie, fest.

Nach Einschätzung des Beratungshauses werden 2017 nur noch 37 Prozent der heutigen führenden deutschen Unternehmen im internationalen PV-Markt aktiv sein:

  • Equipmenthersteller werden sich um 45 Prozent von 47 auf 26 Player vermindern. Die Konsolidierung wird vor allem durch große Player getrieben, die via M&A ihr Portfolio anreichern wollen
  • Polysiliziumhersteller werden Kostenvorteile ausnutzen und kleinere Spieler aus dem Markt verdrängen, so dass noch die Hälfte der Unternehmen aus dieser Gruppe übrigbleiben wird.
  • Wafer-Hersteller werden ebenfalls um 50 Prozent weniger und nur noch als Teil der integrierten Produktion überleben.
  • Von den heute sechs reinen Solarzellenherstellern werden aufgrund von Kostennachteilen und begrenzter Möglichkeiten zur Differenzierung nur noch zwei als Teil einer integrierten Produktion übrigbleiben, das entspricht einem Rückgang von 67 Prozent.
  • Modulhersteller wird es am härtesten treffen. Sie werden sich um 71 Prozent auf 12 in 2017 reduzieren. Insolvenzen durch Überkapazitäten, Preisverfall sowie M&ATransaktionen sind die wesentlichen Treiber.
  • Auch die Hersteller von Invertern werden sich dem härter werdenden Wettbewerb nicht länger entziehen können und sich um 65 Prozent von heute 20 auf 7 Unternehmen verringern. Die Großen kaufen die Kleinen und erweitern somit ihre Wertschöpfung. Darüber hinaus werden asiatische Player durch Zukäufe Einzug in die deutsche Industrielandschaft nehmen.
  • PD/EPC-Unternehmen werden ebenfalls einen Rückgang um 67 Prozent von heute etwa 110 auf 36 Unternehmen in 2017 verzeichnen. Dieses Marktfeld wird sich konsolidieren durch den Eintritt industrieller Spieler sowie durch Austritt kleiner und regionaler Akteure.

Wie können die verbleibenden Marktteilnehmer überleben? goetzpartners hat die PVIndustrie analysiert und für alle Wertschöpfungsstufen Handlungsfelder definiert, die von den Marktteilnehmern unmittelbar angegangen werden sollten, um ihre Überlebenschancen zu verbessern.

  • Equipmenthersteller müssen sich auf technologische Innovationen konzentrieren. Ständige Verbesserungs- und Innovationsprozesse und Innovationsführerschaft sind überlebenswichtig. Erfolgsfaktoren: Diversifizierung in verwandte Industrien wie Halbleiter und Konzentration auf Upgrades der Anlagen in Zeiten der Überkapazitäten. Überlebensrate: 55 Prozent
  • Polysiliziumhersteller müssen durch neue Technologien und optimierte Prozesse Kosten reduzieren sowie Ertrag und Durchsatz steigern. Vor allem die Herstellung von hochreinem Polysilizium kann die Effizienz der Solarzellen auf über 20% steigern. Überlebensrate: 50 Prozent
  • Kristalline Modulhersteller (c-Si) müssen ihren Vertrieb aktiv vorantreiben, um direkten Zugang zu Projekten, Vertriebskanälen und Endkunden zu bekommen. Dies kann beispielsweise mit hoher Servicequalität erreicht werden, die auch Finanzierungsleistungen, Schulungen, Ersatzteilservice etc. im Rahmen von Partnerprogrammen beinhaltet. Die entsprechende Bankability als Gütesiegel für hohe Qualität und Verlässlichkeit der Produkte ist ein weiteres Muss.
  • Dünnschicht-Modulhersteller können nur schwer Marktanteile gewinnen, da die Kosten für c-Si kontinuierlich und schnell sinken. Daher müssen sie auf wettbewerbsfähige Technologien setzen, z. B. CI(G)S, sowie vor allem innovative Produkte für Nischenmärkte, beispielsweise mit speziellen Designs und Anwendungsmöglichkeiten. Überlebensrate: 29 Prozent
  • Inverter-Produzenten benötigen Flexibilität in Einkauf und Produktion, da sie sich in einem sehr volatilen Markt bewegen. Die Abdeckung vieler Anwendungen und Märkte erhöht ihre Chancen, stellt jedoch für Nischenanbieter ein Problem dar. Überlebensrate: 35
  • Projektierer und EPC müssen sich auf globale Projekte umstellen und dementsprechend ihre Projektierungsfähigkeiten vor allem im Bereich Supply Chain auf globale Anforderungen erweitern. Dies kann mit lokalen und finanzstarken Partnern oder via Joint Ventures gelingen. Überlebensrate: 33 Prozent
  • Integrierte Modulhersteller sollten über Vorwärts- bzw. Rückwärtsintegration nachdenken, in Abhängigkeit ihrer Position in der Wertschöpfungskette. Wettbewerbsfähige Kostenstrukturen sind auf allen Stufen der Wertschöpfungskette erforderlich wozu die notwendige Finanzkraft und das R&D Know-how über die Kette hinweg die wesentlichen Erfordernisse sind. Auch sie sollten auf globale Produktion umstellen. Überlebensrate: 66 Prozent.

„Die verbleibenden Unternehmen können sich keinen Stillstand leisten. Umfassende Restrukturierungsprogramme sind für Viele ein Muss um weiter im Markt zu bestehen.“, sagt Michael Sanktjohanser, Managing Director bei goetzpartners und Leiter der Industry Line Energy/Utilities.

Quelle: goetzpartners

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