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Die Solarbranche erschließt sich dank ihres hervorragenden technischen Know-hows neue Märkte – vor allem in den Regionen südlich der Sahara finden die Unternehmen vielversprechende Wachstumschancen 

Reden Unternehmen, Branchenverbände oder Wirtschaftsexperten von attraktiven Märkten mit Zukunftspotenzial, fallen meist die Ländernamen China, Indien und Brasilien. Tummelt man sich dagegen auf Fachkonferenzen der Solarbranche, gewinnt man den Eindruck, dass der Sektor sein Augenmerk neben den drei Treibern der globalen Wirtschaft auch auf eine Region richtet, die bisher eher in deren Schlagschatten lag: Die Länder südlich der Sahara.

Beste Voraussetzungen

„Erneuerbare Energien wie Solarenergie bieten sämtlichen afrikanischen Ländern tolle Chancen“, erklärt Franz-Josef Feilmeier, Geschäftsführer des Energiespeicherspezialisten FENECON, dessen Firma eine Niederlassung im Senegal unterhält. Sie könnten dank Off-Grid-Technologien die Versorgung der Bevölkerung mit Strom auch in abgelegenen Gebieten sichern, weiteres Wirtschaftswachstum fördern und ihre Emissionsbilanz deutlich verbessern. Dass Handlungsbedarf besteht, haben die Nationen längst erkannt: So stieg beispielsweise das Finanzvolumen Südafrikas für nachhaltige Energieprojekte in den vergangenen Jahren von 20 Millionen auf aktuell fünf Milliarden Dollar jährlich.

Die klimatischen Bedingungen Ghanas, des Senegals oder Südafrikas bieten für den zielstrebigen Einstieg beziehungsweise Ausbau von Solarenergie eine ideale Basis: Mit durchschnittlich 2.500 Stunden Sonne pro Jahr zählt der Subsahara-Raum zu den Regionen mit den besten Einstrahlungswerten weltweit. In solch sonnenreichen Gebieten lassen sich bis zu 2.700 Kilowattstunden pro Quadratmeter jährlich erwarten. Zum Vergleich: In Deutschland betragen die durchschnittlichen Einstrahlungswerte lediglich zwischen 900 und 1.200 Kilowattstunden pro Quadratmeter.

Vorbehalte der Bevölkerung gegenüber der Nutzung von Solarenergie müssen die jeweiligen Staaten nicht fürchten: Im Gegenteil – in Subsahara-Afrika nutzen die Menschen schon seit Jahrhunderten die Sonne für ihre Bedürfnisse. Privathaushalte nutzen mittlerweile Solarenergie unter anderem zur Beleuchtung, zum Kochen sowie für Wasserboiler. Auf kommunaler Ebene ist es üblich, die Sonnenergie zur Kühlung von Impfstoffen, für Wasserpumpen, Kläranlagen und die Elektrifizierung des ländlichen Raums zu nutzen. Inzwischen kann fast jedes Land in Subsahara-Afrika auch industrielle Großprojekte vorweisen: Ob für Telekommunikation, Wasserheizsysteme oder im Transportwesen – die natürliche Ressource Sonne wollen die Staaten soweit wie möglich zu ihrem Vorteil ausschöpfen.

Know-how ist stark gefragt

Der wachsende Bedarf des südlichen Afrikas nach Solarenergie-Anlagen spiegelt sich auch in der steigenden Exportquote der deutschen Photovoltaikindustrie wieder: Laut dem BSW soll sie von 65 Prozent im Jahr 2013 auf 80 Prozent im Jahr 2020 steigen. „Die Zukunft der Solarbranche liegt im Projektentwicklungsgeschäft“, betont Jens Hauser vom Competence Centre Sustainable Energy der deutschen Außenhandelskammer in Südafrika. „Unternehmen mit umfangreicher internationaler Erfahrung und dem richtigen Know-how sind dabei klar im Vorteil.“

Das Potenzial, das insbesondere der Markt jenseits der Äquatorlinie bietet, will beispielsweise das Unternehmen Talesun Solar nützen: Der international operierende Hersteller von Solarmodulen engagiert sich seit kurzem in Südafrika, der größten Wirtschaftsnation auf dem afrikanischen Kontinent. „Veraltete Kraftwerke, fragile Netze, stark steigender Strombedarf - Solarenergie ist ein sauberer, kostengünstiger und effizienter Ausweg, um Versorgungsengpässe zu umgehen“, erklärt Gregor Albrecht, Geschäftsführer der Talesun Solar Germany GmbH.

Die energieintensiven Industrien wie Stahl und Bergbau, die unzureichenden Stromerzeugungskapazitäten sowie die wachsende Bevölkerung Südafrikas sorgten immer wieder für Energieausfälle im ganzen Land. Das schadet der Volkswirtschaft, mahnte erst jüngst die südafrikanische Zentralbank. Demnach ist nach Streiks die Stromknappheit der zweitgrößte Faktor für Produktionsausfälle. „Mit Hilfe einer dezentralen Stromversorgung durch Dachanlagen oder große Solarparks kann Südafrika seine Stromzufuhr sichern und so seinen wirtschaftlichen Aufschwung vorantreiben“, erörtert Hauser.

Hilfestellung für deutsche Unternehmen

Mögliche Expansionspläne von Solarunternehmen in den Subsahara-Raum fördert die Bundesregierung in Berlin gezielt: Im Rahmen der Exportinitiative Erneuerbare Energien unterstützen die Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie beziehungsweise für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung deutsche Unternehmen der erneuerbaren Energiebranche beim Markteintritt in Ghana, Kenia, Mosambik und Tansania. Ob bei der Informationsvermittlung, der Projekt- und Marktentwicklung oder Politikberatung – das so genannte Projektentwicklungsprogramm (PEP) Subsahara Afrika erbringt unterschiedlichste Leistungen, um Solarunternehmen den Markteinstieg in den Subsahara-Raum zu erleichtern.

Über eine Laufzeit von 2012 bis einschließlich 2014 wollen die Initiatoren die Rahmenbedingungen für die Unternehmen verbessern sowie eine transparente Marktsituation und klare Vertragsrechte schaffen. Ein weiterer wesentlicher Punkt von PEP: Die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, die in Kooperation mit Ausbildungsinstitutionen vor Ort beispielsweise für die Installation und die Wartung von Photovoltaikanlagen ausgebildet werden.

Das Ziel des Projekts, so betonte es der frühere Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP), „ist die Erschließung neuer Absatzmärkte für deutsche Unternehmen“. Gleichzeitig solle das Programm den ausgewählten Ländern aber auch Technologiekooperationen und Wissenstransfer für die Zukunft bieten. Ein vielversprechendes Modell mit Erfolgsaussichten: Brachte doch das Projektentwicklungsprogramm Ostafrika (2009-2012) nachweisliche positive Marktrends für erneuerbare Energien in den damaligen Märkten Äthiopiens, Kenias, Ruandas, Tansanias und Ugandas – und den engagierten Unternehmen jede Menge Leuchtturmprojekte und Wachstumspotenzial.

Autor: Stephan L. Wild / NetPress GmbH & Co. KG

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